Traffic
- Mit "Robot" sind keine Science Fiction Figuren gemeint, sondern Ampeln. Davon findet man immer gleich zwei paar auf jeder Seite einer Kreuzung, was zur Folge hat, dass die meisten Autos immer schon halb auf der Kreuzung stehen, da sie ja auf der gegenüberliegenden Seite auch sehen können, wann die Ampel grün wird.
An vielbefahrenden Straßen bieten Straßenverkäufer unterschiedlichste Waren an, wenn die Ampeln auf rot stehen.
- Es gilt zwar der Linksverkehr, dass heißt aber nicht automatisch "links vor rechts", sondern: an Kreuzungen ohne Ampeln gilt "wer zuerst amkommt, darf zuerst fahren". Ernsthaft. Auch das "links fahren und rechts überholen" klappt nicht überall. Die meisten überholen einfach rechts oder links wie sie Lust haben.
- Wenn man auf einer einspurigen Autobahn oder Landstraße unterwegs ist (was außerhalb der Großstädte sehr wahrscheinlich ist) hat sich eine andere Überholstrategie bewährt: Langsamere Autos fahren halb auf dem Strandstreifen, wenn schnellere Autos kommen. Nach dem Überholmanöver bedankt sich das überholende Auto mit einem kurzen Warnblinker und der/die Überholte sagt mit einer Lichthupe "You're Welcome!"
- Wenn man in Kapstadt parken will, so wird man meist (zumindest an Straßen, an denen viel geparkt wird) auf von "Autoaufpassern" auf Parklücken aufmerksam gemacht und eingewunken. Nach dem man auch wieder ausgewunken wurde, bekommen diese zum Dank dann ein paar Rand.
- Der Stau morgens in Richtung Kapstadt und nachmittags aus Kapstadt raus ist schlimmer als die Rush Hour in Frankfurt!
Deshalb ist die ganz rechte Spur von 5:30-9:00 nur für Busse reserviert, damit wenigstens diese pünktlich ankommen.
- In den Verkehrsnachrichten werden nicht nur Unfälle und Staus gemeldet, sondern auch "Trafficlights not working on..."
- Nachts in und um Kapstadt Autozufahren ist nicht unbedingt gefährlich wegen der Gefahr ausgeraubt zu werden, sondern eher, weil so viele Südafrikaner keine Hemmungen haben betrunken Auto zu fahren. Ich hab selbst öfter mitekommen, wie Leute nach dem Feiern betrunken nach Hause gefahren sind. Obwohl es auch hier an den Autobahnen Schilder gibt, wie "When you drink and drive, you're a Killer!"
- Für Minibusse gelten keinerlei Verkehrsregeln.
- Auf der Ladefläche eines Trucks zur Arbeit gefahren zu werden ist Gang und Gebe.
Ansonsten läut man einfach über die Autobahn zur Arbeit ;)
- Es gibt durchaus auch mal Autobahnausfahrten auf der rechten Seite...
- Es gibt zwar sowas wie einen "TÜV", aber der scheint nicht so toll zu sein, da ich mich in meinem Corsa lite im Gegensatz zu anderen Autos, die hier so rumfahren, teilweise wie in einem Ferrari fühle. (zumindest in Townships - in reicheren Gegenden fahren fette BMWs, Mercedes etc rum!
Gesundheitssystem
- Hier gibt es eine strickt getrennte "Zwei-Klassen-Medizin": Wenn man es sich leisten kann, hat man eine Versicherung ("Medical Aid") und geht in ein privates Krankenhaus bzw. eine Private Practice.
Alle anderen müssen in die öffentlichen Krankenhäuser gehen. Eigentlich ist es vorgesehen, dass sie je nach Einkommen eine Gebühr an das Krankenhaus zahlen. Da sich das aber eigentlich ohnehin so gut wie keine PatientInnen dort leisten können, zahlen sie nichts. Bitte fragt mich nicht, wie dieses System funktionieren kann...
- Das Groote Schuur Hospital (sprich Chote Skir) ist ein öffentliches Krankenhaus und wurde 1928 als erstes Lehrkrankenhaus in Kapstadt am Fuße des Tafelberges eröffnet. Der alte Teil wird heute nur noch von akademischen Institutionen genutzt, der Klinikbetrieb findet im neuen Teil statt. Das GSH gilt als eines der größten und besten öffentlichen Krankenhäusern in Südafrika. Hier fand auch 1967 die erste Herztransplantion der Welt statt.
- Das Gebäude, die Möbel und Arbeitsmaterialien sind älter und heruntergekommener als wir es von deutschen Krankenhäusern gewohnt sind. Die medizinischen Materialien haben den gleichen Standard und die medizinische Ausbildung ist mindestens genauso gut wie in Deutschland (so wie ich das beurteilen kann).
- Die medizinische Ausbildung ist ähnlich gegliedert wie in Deutschland: Man studiert ebenfalls 6 Jahre Medizin, ist aber danach noch zwei Jahre im "Internship" und durchläuft nochmal alle möglichen Fachrichtungen. Die Interns haben relativ viel Arbeit und müssen sich jeweils mit Schichtarbeiten ("on call") abwechseln, damit immer jemand bei den Pat. ist. Im dritten Jahr muss man einen "community service" absolvieren, bei dem man in irgendein Krankenhaus in Südafrika "in the middle of nowwhere" geschickt wird. Und erst danach beginnt man die Facharztausbildung als "registrar". Der Oberarzt heißt hier "Consultant".
- Akten oder irgendwelche Materialien werden durch das Krankenhaus gerne im Einkaufswagen transportiert. Schreibmaterialien und solche Dinge, wie Schere, Tacker, Stifte bringt man lieber selbst mit, weil man sonst ewig danach suchen müsste. Materialien zum Blutabnehmen sind zwar vorhanden, muss man sich aber oft auch erst zusammensuchen... Deshalb haben alle Ärzte eine kleine Tasche bei sich mit allen nötigen Materialien. Kittel werden seltener getragen und in der Pädiatrie gar nicht.
- Alle Untersuchungen etc. werden im Patienten Folder notiert - alles handschriftlich. Auch die Discharge Summery (Entlassungsbrief) wird handschriftlich verfasst, sodass häufige Patienten übelst dicke Folder haben, bei denen keiner mehr einen Überblick hat.
- Die PatientInnen auf unseren beiden Stationen sind zum größten Teil 'Blacks' und sprechen Xhosa (und meist Englisch) oder 'Coloureds' und sprechen Afrikaans (und meist Englisch). Bei der Anamnese wird auch erfragt, wo die Pat. leben, ob sie fließend Wasser und Strom haben, ob die Mutter arbeitet, ob der Vater mit der Mutter lebt und falls nicht, ob er das Baby finanziell unterstüzt. Im Schlimmsten Fall bekommt man so Antworten wie "zu fünft in einem Haus mit 2 Schlafzimmern, fließend Wasser und Toilette nur außerhalb des Hauses, Eltern arbeitslos, Vater lebt im Hostel". Ich habe jetzt auch schon einige Mütter kennengelernt, die jünger waren als ich (z.B eine 17jährige, die schon das zweite Baby hat).
Die Stationen sind unterteilt in "Adolescens" und "Babys" und in "Infectious" und "Endocrine". Die Babies der Infektionsstation haben meistens Meningitis, Gastritiden und Pneumonien und viele sind HIV positiv. Häufig wurde die Mutter dann auch erstdiagnostiziert, nachdem das Baby aufgrund einer anderen Grunderkrankung im Krankenhaus getestet wurde (obwohl eigentlich in der Schwangerschaft HIV getestet wird).
Auch Tuberkulose ist zur Zeit ein großes Problem in Südafrika. Wir hatten auf der Station etliche Tb-Fälle und viele wurden prophylaktisch auf Tb behandelt. *hust*
- Auf der Endokrinologie-Station haben wir viele Kinder mit Diabetes mellitus und ich hatte Glück und konnte viele seltenere Krankheitsbilder sehen, wie Pyoderma gangrenosum, DiGeorge-Syndrom, Mb. Addison, Mb. Cushing, PDH-Deficiency, Empty-Sella-Syndrom, Ambigous Genitals, Osteogenesis Imperfecta, Steven-Johnson-Syndrom (oder toxic epidermal necrolisis), Diabetes insipidus...
Leider haben wir auch ein paar Kinder mit chronischen Krankheiten, die palliative Pflege erhalten.
- Die medizinische Versorgung bei uns ist auf keinen Fall schlechter als in Deutschland. Allerdings werden Untersuchungen, wie Ultraschall, Röntgen, CT/MRT seltener und nur mit wichtiger Indikation durchgeführt und auch Laboruntersuchungen werden gezielter angekreuzt.
- Der für mich zuständige Consultant Dr Roux leitet, so wie ich das verstanden hab, einige Projekte für HIV positive Kinder. Unter anderem finden montags in Cross Roads und freitags in Mitchells Plain (townships) und mittwochs sowie donnerstags im GSH "HIV/AIDS-clinic's" statt, bei denen die HIV positiven Kinder alle drei Monate untersuchtund wenn möglich ins Krankenhaus eingewiesen werden. ARV's (Antiretrovirale Medikamente) werden erst ab einem CD4 von unter 350 x 1ß^6 /l gegeben, oder wenn die Pat. symptomatisch werden. Wenn die ARV's täglich eingenommen werden, können die Kinder ein ganz normales Leben führen. Leider kommt es aber häufig vor, dass die für das Kind zuständigen Personen nicht compliant sind, weil sie die Sache nicht ernst genug nehmen, überfordert sind oder es einfach nicht besser wissen.
- Die OberärztInnen (Consultants) sind größtenteils weiß, unter den Registras finden sich viele Coloureds und unter den StudentInnen auch immer mehr Schwarze. Man sieht richtig den Generationenwechsel =)
Allgemein
- Ich dachte erst schokierenderweise, dass der Schnurrbart bei weißen Südafrikanern momentan in Mode ist. Aber anscheinend ist das eine Aktion, dass sich die Männer ab dem 1. November einen Schnurbart wachsen lassen und ihn nur gegen Geld abrasieren, um auf Männerkrankheiten, wie Prostatakrebs, hinzuweisen.
- Die Floskeln, die hier am meistens benutzt werden sind als Begrüßung "How's it?"
und "is it?!" anstelle von "wirklich?! / really?!"
- Lebensmittel im Supermarkt haben meist ähnliche Preise wie bei uns. (Ich hab Deutsche kennengelernt, die sic beschwert haben, dass hier alles so teuer sei und andere, die es super fanden, dass hier alles so viel billiger ist...^^) Drogerieartikel allerdings sind meistens teurer.
- Das besondere an den Menschen in Kapstadt ist ihre Vielfalt. Dadurch, dass zu Koloniezeiten viele Sklaven aus anderen Teilen Afrikas, aus Indonesien, China undundund nach Kapstadt gebracht wurden, gibt es neben den "Blacks", die in Kapstadt meist Xhosa als Muttersprache haben (wobei das "x" wie ein Klicklaut ausgesprochen wird) und den Weißen, die am häufigsten Afrikaans'sche Vorfahren haben (Buren, ähnlich der Holländischen Sprache) noch die "Coloureds", die meist ebenfalls Afrikaans sprechen.
Als größter gemeinsamer Nenner gilt Englisch, dass die meisten hier beherrschen und die Kinder meist von der Grundschule an lernen.
...zur Geschichte Kapstadts erzähle ich ein andern Mal was =)
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